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March 03 2012
Arbeitslosengeld für Schwervermittelbare pauschal auf 199.000 Euro pro Jahr erhöht
Gestern wurde entschieden, dass Leistungen für potenziell unvermittelbare Arbeitslose pauschal auf fast 200.000 Euro im Jahr erhöht werden sollen. Den Ausschlag gab der Fall des kürzlich unvermittelt erwerbslos gewordenen Christian W.
Arbeitslose, die über 50 sind und aufgrund ihrer bisherigen Tätigkeit vom Arbeitsamt eine ungünstige Prognose erhalten haben, werden in Zukunft in den Genuss einer vereinfachten Regelung bezüglich ihres Arbeitslosengeldes kommen. Ausschlaggebend ist der Beschluss der formell höchsten Behörde der Bundesrepublik Deutschland von gestern.
Weil ein ehemaliger Mitarbeiter in leitender Position, Christian W. aus Osnabrück, vor kurzem seine Anstellung in der Behörde verlor und als auf dem Arbeitsmarkt schwer vermittelbar gilt, hat die Behörde eine stark vereinfachte Regelung der Versorgung von Menschen beschlossen, die in ähnlicher Lage sind.
Menschen, die vom Arbeitsamt eine sehr ungünstige Prognose für zukünftige Tätigkeiten erhalten haben, sollen in Zukunft ein pauschal auf 199.000 Euro erhöhtes Arbeitslosengeld im Jahr bekommen. "Mit dieser Regelung bauen wir unnötige bürokratische Hürden ab und verhelfen den Betroffenen zu einem würdevolleren Leben," so ein Sprecher. Das neu gestaltete Arbeitslosengeld solle bis zum Lebensende gezahlt werden.
Auch an die Mobilität der Betroffenen werde gedacht. Sie erhalten zu ihren Geldleistungen einen Wagen mitsamt Fahrer sowie ein Büro, in dem sie weitere Bewerbungen schreiben können.
Damit soll gewährleistet werden, dass sie auch in Zukunft aktiv am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können.

Christian W., dessen Fall nun das Arbeitslosengeld für sehr schwer vermittelbare Erwerbslose über 50 reformiert.
January 26 2012
Die freien Mitarbeiter_innen im ORF protestieren!
Der hochgelobte Qualitätsjournalismus im ORF beruht auf prekären Arbeitsverhältnissen vieler freier Mitarbeiter_innen. Diese wehren sich nun und darum wird es Zeit hier auf die Plattform der Freien im ORF hinzuweisen:
Watch out! Und solidarisiert Dich!
Einsortiert unter:fair statt prekär, Flexibilität Tagged: Journalismus, ORF
January 19 2012
October 25 2011
Mexico: Nonprofit Supports Low-Income Women Entrepreneurs
Food blogger Lesley Téllez highlights the work of CREA, “a Mexico City nonprofit that supports women entrepreneurs in low-income communities”. Lesley shares photos of food she made using some of these women's food products.
October 07 2011
Workshop zum Santa Precaria Aktionstag 2012
Im Jahr 2001 wurde von italienischen AktivistInnen „San Precaria“ als Schutzpatron für alle von Prekarisierung Betroffenen ins Leben gerufen.
Getragen von Gewerkschaften, den Arbeiterkammern, Attac, der katholischen ArbeiterInnenbewegung und Arbeitsloseninitiativen fand 2008 erstmals in Österreich ein „Santa Precaria“ Aktionstag statt -- denn Prekarisierung ist überwiegend weiblich.
Am 29. Februar 2012 findet der nächste Aktionstag statt. In unserem Workshop wollen wir die Idee hinter der „Santa Precaria“ vorstellen, vom Aktionstag 2008 und von den Plänen für 2012 berichten, sowie Mobilisierungs- und Beteiligungsmöglichkeiten besprechen.
Termin: Donnerstag, 20.10.2011, vormittag
WorkshopleiterInnen: Michi Botka und Andrea Schober, beide work@flex, GPA-djp Interessengemeinschaft für atypisch und prekär Beschäftigte
In unserem Buch kommt Santa Precaria übrigens im Beitrag von Andrea vor.
Und hier noch ein Clip vom ersten Aktionstag, mit Impressionen aus Wien:
www.youtube.com/watch?v=a5kpuKY-YYQ
Workshop: “Polit Crash Test” – Arbeit in der Migrationsgesellschaft
Termin: Mittwoch, 19.10.2011, 15.00 bis 18.00 Uhr
In den Einwanderungsgesellschaften sind Arbeitnehmer_innen (und Betriebsrät_innen) mit spannenden wie spannungsvollen Herausforderungen konfrontiert. Eine der brennendsten Fragen in Zeiten von Standortdebatten und anderen Konkurrenzmechanismen lautet: Wie können solidarische Arbeitskämpfe im Betrieb und darüber hinaus abseits von Neidgemeinschaften ausgetragen werden? Am Beispiel Italiens wird ersichtlich, wie die Gewerkschaften durch starke Beteiligung an den weltweiten Aktionen zum transnationalen Streiktag am 1. März eine neue linke Positionierung suchen und so Anschluss an neue soziale Bewegungen finden. Wie können die Betriebsrät_innen und die Gewerkschaften in Österreich stärker für diese Ideen gewonnen werden?
Ablauf:
- Input über die Geschichte des 1. März und Analyse der globalen Situation rund um Arbeit und Migration;
- Themenspeicher zu Herausforderungen im Betrieb und Verbindung zu sozialen Kämpfen;
- Clustern der Themenfelder;
- Arbeit in Kleingruppen;
- Berichte;
- Plenardiskussion.
Mögliche Themen für Kleingruppen:
- Organisierung
- Legalisierung
- Betriebsversammlungen
- Rassismus allgemein und im Betrieb
- Diskriminierung
- sonstige Aktionen
- Streik
- Arbeitskampf sozialpartnerschaftlich oder konfliktuös
- Umgang mit Grenzen
- Wohnbürgerschaft
- Wahlrecht (anhand Frauenwahlrecht)
- undokumentierte Arbeit
Workshopgestaltung
Andreas Görg und Petja Dimitrova vom Plenum des 1. März Transnationaler Migrant_innenstreik
Wir bitten um Anmeldung zum #sbsmCamp über das Anmeldeformular!
September 14 2011
How to Create More Jobs By Lowering Wages: Texas and America | robertreich.org - 2011-09-13
Perry and Romney can duke it out over who created the most jobs, but governors have as much influence over job growth in their states as roosters do over sunrises.
States don’t have their own monetary policies so they can’t lower interest rates to spur job growth. They can’t spur demand through fiscal policies because state budgets are small, and 49 out of 50 are barred by their constitutions from running deficits.
States can cut corporate taxes and regulations, and dole out corporate welfare, in efforts to improve the states’ “business climate.” But studies show these strategies have little or no effect on where companies locate. Location decisions are driven by much larger factors — where customers are, transportation links, and energy costs.
If governors try hard enough, though, they can create lots of lousy jobs. They can drive out unions, attract low-wage immigrants, and turn a blind eye to businesses that fail to protect worker health and safety.
Rick Perry seems to have done exactly this. While Texas leads the nation in job growth, a majority of Texas’s workforce is paid hourly wages rather than salaries. And the median hourly wage there was $11.20, compared to the national median of $12.50 an hour.
Texas has also been specializing in minimum-wage jobs. From 2007 to 2010, the number of minimum wage workers there rose from 221,000 to 550,000 – that’s an increase of nearly 150 percent. And 9.5 percent of Texas workers earn the minimum wage or below – compared to about 6 percent for the rest of the nation, according to the Bureau of Labor Statistics. The state also has the lowest percentage of workers without health insurance. Texas schools rank 44th in the nation in per-pupil spending.
The Perry model of creating more jobs through low wages seems to be catching on around America.
According to a report out today from the Commerce Department, the median income of U.S. households fell 2.3 percent last year – to the lowest level in fifteen years (adjusted for inflation). That’s the third straight year of declining household incomes. Part of this is loss of jobs. Part is loss of earnings.
More and more Americans are retaining their jobs by settling for lower wages and benefits, or going without cost-of-living increases. Or they’ve lost a higher-paying job and have taken one that pays less. Or they’ve joined the great army of contingent workers, self-employed “consultants,” temps, and contract workers – without healthcare benefits, without pensions, without job security, without decent wages.
It’s no great feat to create lots of lousy jobs. A few years ago Michele Bachmann remarked that if the minimum wage were repealed “we could potentially virtually wipe out unemployment completely because we would be able to offer jobs at whatever level.”
I keep on hearing conservative economists say Americans have priced themselves out of the global high-tech labor market. That’s baloney. The productivity of American workers continues to soar. The problem is fewer and fewer Americans are sharing the gains. The ratio of corporate profits to wages is the highest it’s been since before the Great Depression.
Besides, how can lower incomes possibly be an answer to America’s economic problem? Lower incomes mean less overall demand for goods and services — which translates into even fewer jobs and even lower wages.
In short, the Perry (and Bachmann) model of job growth condemns Americans to lower and lower living standards. That’s nothing to crow about.
September 02 2011
Die große Wut der Überzähligen
Notizen und Anmerkungen zu den „Konsumkrawallen“ in England.
Es gibt eine Revolte einer perspektivlosen Jugend fast überall in Europa, nur in Deutschland nicht. Die spontanen Emeuten bedürfen dringend der politisch-moralischen Orientierung und Kontrolle, sonst werden sie nicht nur zu nichts führen, sondern der Reaktion und dem Ausbau der staatlichen Gewaltapparate und der Militarisierung der inneren Sicherheit in die Hände arbeiten. Aber wo sind die Kräfte, die der Revolte eine Richtung und einen politischen Inhalt geben und sie der regulativen Idee der sozialen Emanzipation unterstellen könnten?
Von Götz Eisenberg
Die große Wut der Überzähligen
Notizen und Anmerkungen zu den „Konsumkrawallen“ in England
„Ich war zwanzig. Niemand soll sagen, das sei die schönste Zeit des Lebens.“
(Paul Nizan)
In London und anderen englischen Großstädten wie Birmingham, Liverpool und Manchester explodierte Anfang August der aus sozialer Verelendung und Verzweiflung erbrütete Zündstoff. Nachdem die Polizei einen farbigen Mann und Vater dreier Kinder erschossen hatte, brannten die Innenstädte. Geschäfte wurden geplündert, die Polizei war pausenlos im Einsatz und schien der Lage nicht mehr Herr zu werden. Man hatte alle Polizisten aus dem Urlaub zurückbeordert. Circa 1500 sogenannte Randalierer wurden festgenommen, fünf Menschen kamen zu Tode. Eine lang gestaute Wut entlud sich ungerichtet, blindwütig schlugen die jungen Leute auf die Fassade ein. Ganze Stadtteile versanken in Schutt und Asche, es sah aus wie im Krieg. Wir bekamen einen Vorgeschmack kommender Revolten. Der englische Premierminister Cameron brach seinen Toscana-Urlaub ab und kehrte nach England zurück, um martialische Reden zu schwingen und den Jugendlichen mit drakonischen Strafen zu drohen. Cameron möchte den Familien der Randalierer die Sozialhilfe entziehen. Schnellgerichte urteilen rund um die Uhr die jungen Leute ab und schicken sie nach einer zehnminütigen Gerichtsverhandlung wegen des Diebstahls von Wasserflaschen für ein halbes Jahr ins Gefängnis. Die Antwort auf die Folgen sozialer Desintegration ist pure Härte und Repression. Man könnte auch sagen: Staat und Gesellschaft lassen es sich etwas kosten, die Ursachen der Gewalt bestehen zu lassen und ihre Folgen repressiv zu bekämpfen. Die britische Politik profitiert davon, wie Heribert Prantl bemerkte, „dass die Unruhen so sprachlos gewalttätig, so destruktiv sinnlos und so niederträchtig waren. Die Blödheit der Randalierer hat es der Regierung erleichtert, in der eigenen Dummheit zu verharren.“
Es gibt eine Revolte einer perspektivlosen Jugend fast überall in Europa, nur in Deutschland nicht. Die spontanen Emeuten bedürfen dringend der politisch-moralischen Orientierung und Kontrolle, sonst werden sie nicht nur zu nichts führen, sondern der Reaktion und dem Ausbau der staatlichen Gewaltapparate und der Militarisierung der inneren Sicherheit in die Hände arbeiten. Aber wo sind die Kräfte, die der Revolte eine Richtung und einen politischen Inhalt geben und sie der regulativen Idee der sozialen Emanzipation unterstellen könnten?
In keinem der vielen Kommentare, die ich in den letzten Tagen zu den Ereignissen in England gehört und gelesen habe, war vom Stolz die Rede. Oder besser: vom gekränkten Stolz der jungen Leute. Zornig werden Menschen, wenn man ihren Stolz mit Füßen tritt und ihre Anerkennungsbedürfnisse chronisch übergeht. So etwas brütet Rachsucht aus. „Grausamkeit“, sagt Nietzsche, „ist das Heilmittel des verletzten Stolzes“.
Hätten wir nicht auch jede Menge gute Gründe, „Tage des Zorns“ abzuhalten? Den Unterschied zwischen den nordafrikanischen Ländern, in denen zur Zeit Aufstände stattfinden und dem Land, in dem wir leben, hat die aus Rumänien nach Deutschland emigrierte Herta Müller in ihrem Roman „Reisende auf einem Bein“ beschrieben: „In dem anderen Land habe ich verstanden, was die Menschen so kaputtmacht. Die Gründe lagen auf der Hand. Es hat sehr wehgetan, täglich die Gründe zu sehen. … Und hier, sagte Irene. Ich weiß, es gibt Gründe. Ich kann sie nicht sehen. Es tut weh, täglich die Gründe nicht zu sehen.“
„Die Bösen sind wir los; das Böse ist geblieben“, könnte man mit Peter Brückner einen Prozess charakterisieren, in dessen Verlauf unmittelbare Herrschaft und manifeste Gewalt sich zurückziehen, ohne indessen in einen gewalt- und herrschaftsfreien Zustand zu münden. Die „Peitsche des Aufsehers“ wird vom „stummen Zwang der ökonomischen Verhältnisse“ (Karl Marx) abgelöst und durch subtile und lautlose Mechanismen der Kontrolle ersetzt. Herrschaft hat sich entpersonalisiert und anonymisiert, sie tarnt sich immer perfekter als Technik und tritt den Menschen gegenüber als sogenannter Sachzwang auf. Gegen wen oder was soll die akkumulierte Wut sich wenden, wen können wir zur Verantwortung ziehen? Wer ist Schuld an unserem diffusen Unbehagen und unserer Misere? Wir werden von unsinnlichen Abstraktionen und um die Erde zirkulierenden Geldströmen beherrscht. Die Abstraktheit und Anonymität der Verhältnisse, unter denen viele Menschen leiden, ist auch der Grund, warum sich die Revolte so blindwütig artikuliert. IWF, WHO, Weltbank, Börsen und Finanzströme kann man nicht mit einer Baseballkeule und Steinwürfen treffen. Sie entziehen sich dem Zugriff, deswegen hält sich die Wut an Symbole im Nahbereich, die als Ersatzobjekte fungieren. Das meinte ich, als ich vorhin schrieb: Sie schlagen blind auf die Fassade ein.
In England wird bei den seltenen Versuchen, die Ursachen der Krawalle zu ergründen, dieser Tage gelegentlich gefragt: „Wer sind wir? Und was für eine Gesellschaft haben wir überhaupt geschaffen?“ Zentral in dieser Auseinandersetzung ist ein Beitrag des Kolumnisten Peter Oborne im „Daily Telegraph“, in dem der Autor unter anderem schreibt: „Die Kriminalität auf unseren Straßen kann nicht getrennt behandelt werden von der moralischen Desintegration auch in den höchsten Rängen der modernen britischen Gesellschaft, ob Banken oder Politik. In den vergangenen zwei Jahrzehnten haben wir einen erschreckenden Verfall der Normen unter Englands regierender Elite erlebt. Es wurde akzeptabel unter unsern Politikern, zu lügen und zu betrügen. Eine fast universale Kultur aus Selbstsucht und Gier hat sich bei uns breit gemacht.“
Wohl wahr. Wer immer sich ein Gewissen und einen halbwegs klaren Blick bewahrt hat, muss die Verwahrlosung und moralische Verwilderung der herrschenden Klassen und ihre Auswirkungen auf die Masse der Bevölkerung thematisieren und ihre Mitschuld beim Namen nennen. Eine Gesellschaft, deren einziger kategorischer Imperativ der der Bereicherung ist, darf sich nicht beklagen, wenn die wertzynische Motorik des Geldes und die Imperative der Flexibilisierung die moralischen Traditionsbeständen und menschlichen Eigenschaften wie die Fähigkeit zu Empathie und Mitleid erodieren lassen und zerstören. Dem Geld ist, salopp gesagt, alles egal. Es fließt dahin, wo die Chancen seiner Vermehrung am größten sind.
Eine Gesellschaft, welche die Entstehungsbedingungen des Menschlichen ihren ökonomischen Funktionsimperativen opfert und es zulässt, dass auf die Kindheit der Kälteschatten von Elend, Indifferenz und Bindungslosigkeit fällt, darf sich nicht wundern, wenn in ihrem unwirtlichen Schoß eine Generation heranwächst, die nur noch die psychischen Korrelatformen des Marktes entwickelt: kalte Schonungs- und Rücksichtslosigkeit, moralische Indifferenz und eine latente Feindseligkeit, die jederzeit in Hass umschlagen kann. Wir sind Zeugen einer „anthropologischen Mutation“ und erleben mit, wie sich der wahrhaft kapitalistische und flexible Mensch herausbildet, der von keinerlei Hemmungen von nichts mehr zurückgehalten wird.
Unter den Bedingungen fortdauernder Herrschaft wird die Zerstörung von Moral und Über-Ich grauenhafte Züge annehmen, solange nicht solidarische Bande und bewusste Reflexion an die Stelle reflexartigen Funktionierens treten und die Menschen mit der „äußeren Herrschaft auch deren Niederschlag in ihrem Inneren beseitigen. Unsere Lage ist aber dadurch gekennzeichnet, dass die industrielle Zivilisation ins Stadium ihrer Selbstzerstörung eingetreten ist, ohne dass irgendwelche produktiven Gruppierungen schon bereit stehen oder auch nur erkennbar sind, die diesem Zerfallsprozess eine emanzipatorische Wendung geben könnten. Das sind gesellschaftliche Situationen, aus denen Barbarei erwächst.
Gegenwärtig erleben wir ein Zugleich von nachlassender Integrationskraft der Arbeitsgesellschaft, die immer weniger in der Lage ist, die Gesamtheit der Menschen über den Modus der Lohnarbeit sozial zu integrieren und deshalb “Überschuss-Bevölkerung” produziert, einer Lockerung der Selbstzwänge zur Befolgung von Gesetzen und Normen, was sich nicht nur in einem Anwachsen der Ladendiebstähle, des Blaumachens und Schwarzfahrens ausdrückt, sondern in einer Zunahme von Akten privater und neuerdings auch politisch motivierter Aggression, und schließlich einer Militarisierung des Staates, der auf diese Desintegrationsphänomene mit dem Ausbau von Instrumenten des Fremdzwangs reagiert. Im Sinne Peter Brückners und unserer bisherigen Argumentation würden die Grundlagen der Regierbarkeit erschüttert, wenn die Verwandlung von Fremdzwang in inneren Selbstzwang nicht mehr in ausreichender Zuverlässigkeit stattfindet. Wo die innere Polizei nicht mehr in der Lage ist, für die Aufrechterhaltung der Ordnung zu sorgen, muss die „äußere Polizei vermehrt in Erscheinung treten. Die Repräsentanz des Staates in den Individuen beginnt zu schwinden. Umso dringlicher wird es für ihn, als sichtbare „äußere Gewalt, als Polizei, wieder anwesend zu sein. Max Horkheimer hat unsere Zeit als eine Zwischenperiode beschrieben, wo das Gewissen die Menschen nicht mehr und staatliche Gewalt und/oder automatisierter Gehorsam sie noch nicht integriere und bei der Stange halte. (Max Horkheimer, Gesammelte Schriften Bd. 13, Ffm. 1989, S. 226/227) Horkheimer war der Meinung, dass die Phase der Steuerung der Gesellschaft über die Innerlichkeit der Individuen, über Moral, Gewissen, Über-Ich lediglich ein Zwischenspiel darstellt auf dem Weg zur „total verwalteten Welt“, wo die einzelnen automatisch auf „äußere Signale“ reagieren. Die Menschen wären dann komplette Tauschmaschinen, reine Geldsubjekte, “schlaue, fortgeschrittene, zynische Vulgärpragmatisten”, die nicht einmal von einem unglücklichen Bewusstsein mehr heimgesucht würden, sofern das System die Güter zu ihrer Befriedigung liefert. (Bd.14, S.350)
Habermas hatte schon Ende der 1960er Jahre die Diagnose gestellt, der inzwischen wohl niemand mehr widersprechen mag: „Die sozialpsychologische Signatur des Zeitalters wird weniger durch die autoritäre Persönlichkeit als durch Entstrukturierung des Über-Ich charakterisiert.“ Die Entstehung des Über-Ichs, der Gewissensinstanz, ist an bestimmte Bedingungen gebunden, die immer weniger anzutreffen sind. Immer seltener werden deshalb Aggressionen von verinnerlichten Hemmungen und moralischen Einsprüchen des Gewissens an ihrem rohen Durchbruch gehindert. Lang vorbei sind die Zeiten, da – wie in Heinrichs Mann Roman Der Untertan – ein deutscher Junge Herzklopfen empfand, wenn ein Schutzmann am Horizont auftauchte. Das kann man unter gewissen Aspekten sicher auch begrüßen, aber wenn gar nichts an die Stelle der reflexartigen Unterwerfungsbereitschaft und des blinden Gehorsams tritt, kann es eigentlich nur barbarisch werden. Wenn das staatliche Gewaltmonopol außer Kraft gesetzt wird, beginnt nicht das Reich der Freiheit, sondern herrscht das Dschungelrecht, das Recht des Stärkeren. Doris Lessing hat in ihrem „Bericht über die bedrohte Stadt“ bereits geschrieben, dass in Zeiten gesellschaftlicher Zerfalls diejenigen überleben werden, die sich auf das Chaos und die Katastrophe eingestellt haben. „Die Bürgerlichen, die Befehlsempfänger, die Angepassten, die Gutmütigen müssen damit rechnen, die ersten Opfer zu werden. Aber die Vagabunden, die Kriminellen, die Verrückten, die Allerärmsten werden die Mittel haben, um zu überleben. Wir kommen daher zu der Überzeugung, dass wenn sich das Erdbeben innerhalb der nächsten fünf Jahre ereignet, niemand übrigbleibt als jene Menschenklasse, die die gegenwärtigen Führer der Gesellschaft als nicht wünschenswert ansehen …“
Wenn man Habermas weiterdenkt, kann man zu folgenden Thesen gelangen:
Die sozialpsychologische Situation der Gegenwart ist dadurch gekennzeichnet, dass immer mehr Menschen in eine anomische Position gedrängt werden, in eine objektive Kränkungs- und Entwertungssituation. Gleichzeitig wird die Fähigkeit, mit Kränkungen angemessen und reif umzugehen, immer weniger erworben. Genau daraus resultiert der immer häufiger zu beobachtende Ausbruch narzisstischer Wut und raptusartiger Gewalt. Die jungen Leute leben im Zustand einer permanenten Frustration: Sie werden tagein-tagaus mit Bildern des Luxus vollgestopft und gleichzeitig verwehrt man ihnen die Mittel, um die Gegenstände auf legalem Weg erwerben zu können. Gleichzeitig bildet sich das zurück, was man Frustrationstoleranz nennt. Zum Begreifen der Kriminalität, die sich in diese städtischen Revoltformen mischt, braucht man eigentlich nur Robert K. Mertons soziologische Kriminalitäts-Theorie: Die jungen Leute begehren, was alle begehren und was man besitzen muss, wenn man dazu gehören will – also Markenturnschuhe, Plasma-Bildschirme, gewisse Handytypen usw. -, aber sie verfügen nicht über die gesellschaftlich vorgegebenen Mittel, um an diese Dinge heranzukommen. Ihre Kriminalität ist, wenn man so will, devianter Konformismus. Sie plündern Vodafone-Filialen und Elektrogeschäfte, erbeuten Turnschuhe, Plasma-Bildschirme, Smartphones und Süßigkeiten. Wenn die Teilnahme am Konsum mehr und mehr über die Zugehörigkeit zur Gesellschaft entscheidet, gehört, wer bestimmte Dinge nicht vorzeigen kann, eben nicht dazu. Die Jugendlichen holen sich die Dinge nun auf ihre Weise. Der britische Historiker Owen Jones hat deshalb vorgeschlagen, von „Konsumkrawallen“ zu sprechen. Die Krawalle erinnern ihn eher an einen massenhaften Ladendiebstahl, denn an politisch motivierte Widerstandshandlungen gegen den Staat.
Meine „Vandalismus-Formel“ lautet also: Gesellschaftliche Desintegration (also Schrumpfen des Arbeitsmarktes, Mehrfach-Ausgrenzungen) plus psychische Entstrukturierung (also Über-Ich-Schwund, verbreitete Ich-Schwäche, Neigung zu primitiven Formen der Abwehr, unintegrierte, archaische Wut) = Wahrscheinlichkeit, dass raptusartige Gewaltausbrüche zunehmen.
Ein paar sogenannte Fakten und Zahlen: In keinem anderen westeuropäischen Land, so konnte man dieser Tage in vielen Zeitungen lesen, ist die Kluft zwischen Arm und Reich so groß wie in Großbritannien. Großbritannien liegt auf dem letzten Platz der europäischen Staaten beim Gini-Index, das heißt: nirgends klafft die Schere zwischen Arm und Reich weiter auseinander. Die oberen zehn Prozent der Gesellschaft verfügen über hundertmal so viel Geld wie die unteren zehn Prozent. Das Realeinkommen der ärmeren Schichten sinkt ständig weiter. England liegt bei der Jugendarbeitslosigkeit im europäischen Vergleich vor Spanien und Griechenland auf dem drittletzten Platz, sie beträgt rund zwanzig Prozent. Polizeiwillkür gegenüber schwarzen Jugendlichen ist an der Tagesordnung. Ihre Chance, von der Polizei angehalten und kontrolliert zu werden, ist rund 25 Mal so hoch wie bei Weißen. „England unter Cameron kann wie Frankreich unter Sarcozy nach wie vor als Klassengesellschaft bezeichnet werden. Man gehört vor allem dann nicht dazu“, schreibt Joachim Kersten in der TAZ vom 15. August 2011, „wenn man die falsche Hautfarbe oder den falschen Familiennamen hat, denn bei der Jobsuche oder der Polizeikontrolle nützt auch der richtige Pass nicht viel. Man ist Staatsbürger dritter Klasse. Junge Männer und Frauen finden keine Arbeit. Das ist das Antlitz des Rassismus, das Erne der kolonialen Grandiosität, der Überlegenheit der weißen ‚Rasse‘, ihres Militärs und ihrer Polizei.“
Was wäre denn, wenn solche Aktionen auch aus dem Grund begangen würden, ein einziges Mal Ursache von etwas zu sein? Menschen, die stets Mittel fremder Zwecke und Anhängsel von etwas Äußerem sind, von dem sie einfach nur mitgeschleift werden, wollen endlich einmal Ursache von etwas sein, und wenn es Straftaten sind. Wer immer nur Amboss ist, möchte endlich mal Hammer sein, wie man in der Sprache der Arbeiterbewegung sagen würde. Die Jugendlichen genießen den flüchtigen Rausch der Machtausübung und dass sie es sind, die Angst und Schrecken verbreiten. Die Jugendlichen hocken nach ihren wandalischen Aktionen vor dem Fernseher, sehen die Bilder vom Tage und sagen sich: „Das waren wir! Die ganze Aufmerksamkeit gilt Taten, die wir begangen habe!“ Wieder einmal scheint das Programm des malignen Narzissmus wirksam zu sein: Negative Aufmerksamkeit ist besser als gar keine.
Die wertabstrakte Militanz, die uns an den Krawallen so erschreckt, quittiert auch den Umstand, dass den jungen Leuten der Weg zur Produktion und damit zu traditionellen Formen des Klassenkampfes versperrt ist. Sie können nicht streiken und Fabriken besetzen, weil sie keine Arbeit haben. Sie sind die Überzähligen, die Herausgefallenen, das, was die Ökonomen in ihrem zynischen Jargon Surplus-Bevölkerung nennen. Wir erleben das Wiederauftauchen „gefährlicher Klassen“, die für die Zeit der Herausbildung der kapitalistischen Produktionsweise charakteristisch waren. Konnten damals entwurzelte, plebejische Massen und unterbürgerliche Schichten noch nicht über den Modus der Lohnarbeit integriert werden, so heute die aus dem Arbeitsmarkt Herausgefallenen und Überzähligen nicht mehr. Die neue „gefährliche Klasse“, gegen die man sich rüstet und von der ein Großteil der Gewalt verübt wird, die die Öffentlichkeit erschreckt, wird im Wesentlichen von jungen Männern zwischen Pubertät und Heiratsalter gebildet, für die keine verbindlichen oder wirksamen Regeln und Schranken des Verhaltens mehr bestehen und deren Verhalten kaum noch durch verinnerlichte Normen gesteuert wird. Sie werden nicht einmal mehr ausgebeutet, aber schlimmer noch als Ausbeutung scheint zu sein, komplett ignoriert und wie Fische auf dem Trockenen liegen gelassen zu werden. Arbeit zu haben bedeutet weit mehr, als über eine geregelte Einnahmequelle zu verfügen. Arbeit vermittelt Teilhabe und Anerkennung. Arbeit ist der Ort der Vergesellschaftung, da einem abends zugerufen wird: „Tschüs, und dann bis morgen!“ Wenn Identität sich weitgehend über Leistung herstellt, heißt es im Umkehrschluss: Wo keine Leistung erbracht werden kann und darf, kann sich auch keine Identität ausbilden. Gerade für junge Leute besteht die Funktion von Arbeit auch darin, ihre wild wuchernden Vorstellungen von der eigenen Grandiosität zu „erden“ und Legierungen mit gesellschaftlich realistischen Erwartungen eingehen zu lassen. Arbeit trägt dazu bei, die oft noch ungekonnten Äußerungsformen ihres Antriebslebens zu bändigen, Aggressionen der Kontrolle des Ichs zu unterstellen und gesellschaftlichen Zielen dienstbar zu machen. Fehlende Arbeit kann in einer Arbeitsgesellschaft zur Quelle von Persönlichkeitsstörungen und Depressionen werden.
Kindheit und Jugend münden für viele heutige Jugendliche direkt ins Ghetto, und die Ghetto-Lage brütet Rachegefühle und Hass aus. Zu den drängenden Fragen der Gegenwart gehört: Wie soll man eine Identität in einer Gesellschaft ausbilden, die einem bedeutet, dass sie einen nicht benötigt? Wie sollen Menschen sich wehren, wenn nichts haben, das sie der Gesellschaft entziehen oder verweigern können? Es gibt für die Überflüssigen und Herausgefallenen nur die Wahl zwischen einem depressiven und einem aggressiven Modus der Verweigerung: Selbstverbrennung, Hungerstreik, das stumme Nein des Körpers und der Selbstzerstörung durch Drogen oder die Randale, die Zerstörung, die gewaltsame Aneignung dessen, was man ihnen verweigert.
Jean Baudrillard hat gesagt: „Wenn die Gewalt aus der Unterdrückung aufsteigt, dann der Hass aus der Entleerung.“ Die Räume wie die Menschen sind arbeitslos. Man baut ganze Wohn- und Bürostädte, die ewig leer stehen werden, Auswüchse von Verbrechen und Spekulation. „Ghost towns – ghost people: die Menschen darin sind selbst endlos als Abfälle reproduzierbar oder als einfache Figurinen, die diese Junggesellenmaschine in Gang halten – Symbole des circulus vitiosus der Produktion, in welcher – im Gegensatz zu der historischen These – nicht mehr die Arbeit das Kapital reproduziert, sondern das Kapital selbst die Arbeit unbestimmt reproduzieren muss.“ „Die Menschen, die zum Abfall ihrer eigenen Abfälle werden – sie sind das Zeichen einer Gesellschaft, die ihren eigenen Werten gegenüber gleichgültig geworden ist und sie sich selbst in Gleichgültigkeit und Hass austreibt.“ Wären die jungen Leute noch Teil der Arbeiterklasse, bekämen sie, wenn sie über die Stränge schlügen, von ihren älteren Kollegen die Leviten gelesen. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts kann man das an der deutschen Arbeiterbewegung studieren: Die jungen Heißsporne aus dem Osten werden von ihren gewerkschaftlich und in der SPD organisierten älteren Kollegen gebremst und zivilisiert und an die Einhaltung gewisser Formen gewöhnt. Man schlägt dem Chef keins in die Fresse, sondern geht solidarisch oder auch listig gegen ihn vor. „Immer langsam mit den jungen Pferden“, bekamen sie gesagt und lernten ihre Lektionen in politischen Kämpfen und Disziplin. Ihre Aggressivität wurde domestiziert und in eine aufklärerische Richtung gelenkt.
Eine weitere Krux heute: Es existieren keine gesellschaftlichen Kräfte, die diese Sozialisierung und Zivilisierung der jungen Wilden leisten und übernehmen könnten. Es gibt keine Arbeitermilieus mehr, kaum noch Gewerkschaften und schon gar keine revolutionär gestimmten Arbeiter. Es fehlt eine strategische Bündelung der verschiedenen Konfliktpotenziale und Unruheherde. Die Älteren stoßen sich an der Unübersichtlichkeit der Welt und dem rasanten Tempo des Fortschritts, das sie schwindeln macht und die Welt nicht mehr verstehen lässt. Die jungen Leute sind arbeits- und perspektivlos, die Studierenden leiden unter der Verschulung ihrer Studiengänge und den fehlenden Aussichten auf einen angemessenen Job, die Arbeitenden bekommen immer weniger Geld für ihre Arbeit und werden prekär beschäftigt. Die ganz Alten werden in abscheuliche Heime abgeschoben und vegetieren dort vor sich hin. Es käme darauf an, all diese verschiedenen Potenziale und Intentionen zu einem einzigen mächtigen Willensstrahl zu bündeln und sie strategisch zu codieren. Wo ist unsere Fähigkeit geblieben, den Menschen zu interpretieren, was mit ihnen los ist? Warum sind wir nicht in der Lage, das oft stumme Leiden der Menschen beredt werden zu lassen und kämpferisch gegen seine Verursacher zu wenden?
Ich erinnere mich gut, wie ich 2005, als es in den französischen Vorstädten zu brennen begann, morgens von der aufgeregten Stimme eines jungen Maghrebiners, die aus dem Radio an mein Ohr drang, aus dem Schlaf gerissen wurde, der den saturierten Bürgern wütend seine Anklage entgegenschleuderte: „Wir werden nicht gebraucht und von euch wie Dreck behandelt. Und jetzt regt ihr euch auf, dass eure Autos brennen!“ Die Unruhen in Frankreich waren ausgebrochen, nachdem zwei Jugendliche am 27. Oktober 2005 in Paris auf der Flucht vor der Polizei die Absperrung zu einem Transformatorenhäuschen überwanden und dort von Stromschlägen tödlich getroffen wurden. Sarkozy sprach angesichts der nachfolgenden Unruhen in den Banlieus von „kriminellem Gesindel“, das mit Hilfe eines Hochdruckreinigers weggespült werden müsse. David Cameron nennt nun Teile der englischen Gesellschaft „krank“. Kranke Teile des Volkskörpers müssen herausoperiert und entfernt werden. Die anständigen Engländer fordern den Einsatz scharfer Munition gegen den „enthemmten Pöbel“.
Was charakteristisch für die revoltierenden jungen Leute ist: Sie haben nichts, sie besitzen nichts. Es gibt nichts, was sie an diese Gesellschaft bindet: weder Arbeit, noch Eigentum, noch die Liebe, die dem schweifenden Trieb Dauer und Form verleiht, indem sie ihn an ein Objekt bindet. Sie sind abstrakt, ohne Wurzeln, ohne so etwas wie Heimat, ohne emotionale Bindungen. Libidinöse Beziehungen zu und emotionale Bindungen an Menschen und Dinge sind aber das einzig wirksame Antidot gegen die Gewalt. Das gilt für einzelne Menschen wie für Gruppen und Klassen. Wer zu nichts und niemand eine Beziehung unterhält, fühlt sich niemandem gegenüber zu nichts verpflichtet. „Nur wer sich selbst auch anerkannt fühlt, hat ein Interesse an der Stabilität gesellschaftlicher Normen und gewaltsamer Ordnung“ schreibt Wilhelm Heitmeyer in der TAZ vom 25. August 2011.
Und noch etwas: Die Bilder, die wir aus Frankreich in Erinnerung haben und die wir jetzt aus England übermittelt bekommen haben, führen uns vor Augen, was in vielen Teilen der Welt traurige tägliche Realität ist. Es herrscht Krieg und Bürgerkrieg. Autos und Häuser brennen, Menschen sind auf der Flucht und sterben.
Bei uns in Deutschland seien Gewaltausbrüche wie in England nicht zu befürchten, versichern Politiker und ihre wissenschaftliche Leibstandarte. Ein Narr, wer ihnen das abnimmt.
Götz Eisenberg ist Gefängnispsychologe und Sozialwissenschaftler. Er ist Autor des Buches „Damit mich kein Mensch mehr vergisst. Warum Amok und Gewalt kein Zufall sind“;
Pattloch Verlag 2010.
Siehe die Rezension dieses Buches von Joke Frerichs.
August 31 2011
MOISI: Who Will Help the Poor?
"On the Young having nowhere to Escape" by Zygmunt Bauman
August 23 2011
Die Hungerlohnpartei
Eine Fallgeschichte fast ohne Netz
«Hast du Lust, dich an Flashmob-Aktionen zu beteiligen? Gib uns deine Handy-Nummer und dann lass uns zu dem per SMS gesendeten Zeitpunkt zusammen in einer bestreikten Filiale, in der Streikbrecher arbeiten, gezielt einkaufen gehen.»
Verdi-Flugblatt, Dezember 2007
Social Media und Gewerkschaftsarbeit haben sich gegenseitig viel zu bieten. In vielerlei Hinsicht. Die «Vereinigte Diensleistungsgewerkschaft» (ver.di) in Deutschland hat verhältnismäßig früh und vielversprechend begonnen, mit Social Media zu arbeiten. Sie hat Experimentierfreudigkeit gezeigt im Einsatz des als WatchBlog konzipierten «Schwarzbuch Weblog» zu den Praktiken beim Handelskonzern Lidl, bei pfiffig subversiven Flashmobs oder auch bei der Aktion «Hungerlohnpartei». Diese guten, weil kreativen, engagierten und wirkungsvollen Ansätze haben sich jedoch etwas verlaufen angesichts einer noch fehlenden Strategie bei der Pflege des Umganges in und mit dem Netz. Das Motto scheint vorsichtig zu lauten, «Viele üben sich konsequent im Umgang mit Social Media. Wir zögern noch!»
Wahlwerbung der Hungerlohnpartei
Wenige Tage vor der für den 27. September 2009 angesetzten Bundestagswahl taucht am 22. September angesichts eines riesigen Großplakates in Sichtweite des Reichstages an der Brandmauer des Hauses Schiffbauerdamm 19 mitten in Berlin die Frage auf, «Hungerlohnpartei? Wer is denn das, was soll das denn sein?!». Eine neue Kleinpartei hat sich ihr Hauptanliegen, die Verhinderung eines gesetzlichen Mindestlohns, an die Brust geheftet und wirbt im großen Stil. Im unteren Bereich des Blow-Ups dann der Satz: «Die große Mehrheit ist für die Einführung des gesetzlichen Mindestlohns. WIR NICHT!» Die Ausrufe auf der Straße, auf Twitter und in Blogs lauten recht einhellig, «großgroßgroßgroßartig!». Die Umgebung des Berliner Regierungsviertels ist in Aufruhr, von Passant_innen gemachte schnelle Schnappschüsse machen in sozialen Netzwerken die Runde. Das erste so getwitterte Bild über den Annalist Account wird allein in der ersten Stunde über 30 mal in Tweets weitergeleitet und bejubelt. Bald stellt sich die Frage, wer sich hinter der Hungerlohnpartei verbirgt, die da für ein schrankenloses Lohn-Dumping einsteht. Die Vermutung «Das kann doch nur ‘n Fake sein!» liegt angesichts der auf dem Blow Up abgebildeten Politprominenz (Merkel, Westerwelle & Guttenberg) nahe. Im Netz verbreitet sich der Link zum Webauftritt der Hungerlohnpartei schnell, ver.di wird als Urheber ausgemacht, die Links zur Mindestlohn-Info und -Initiative werden angeklickt, die Aktion wird mit großer Zustimmung aufgenommen. Bei manchen im so genannten Real Life ist die Irritation groß. «Es hat schon Diskussionen und Aufregungen gegeben. Auch das Blow Up im Regierungsviertel hat für Aufmerksamkeit gesorgt. Da haben sich viele Abgeordnete aufgeregt», konstatiert Bernd Steinmann von ver.di. Das Aufsehen, das eine der vielen sonst unter dem Radar der öffentlichen Aufmerksamkeit durchtauchenden Kleinparteien erregt, ist erheblich. Auf der Straße werden Vermutungen ausgetauscht, wer diese Hungerlohnpartei sei, wer dahinter stecke und Bemerkungen gemacht wie, «Geile Aktion! Und ja, stimmt, dafür stehen die ja auch wirklich.» Wer, “die”? Ver.di zeigt es auf und verdeutlicht, wofür “die” stehen.


DIE HUNGERLOHNPARTEI ALS TEIL DER MINDESTLOHN-KAMPAGNE
➊ Die Aufdeckung der Politik der “Hungerlohnpartei” ist Teil der ver.di Kampagne für den Mindestlohn. Die Website der Hungerlohnpartei verweist daher auch auf die Homepage der Mindestlohn-Kampagne.
➋ Auf einem YouTube-Video dokumentiert: unter dem Großplakat der «Hungerlohnpartei» ist ein Mural, ein großes Wandgemälde, des Künstlers Ash mit «Stimmen für den Mindestlohn» gemalt worden. Mit dem Einholen des Plakats wird es sichtbar.
➌ Das schon viel länger als die Aktionen laufende «Mindestlohn-Weblog» von ver.di dokumentiert «alle Meinungen und Diskussionen zum Thema Mindestlohn». Hier sind die Schritte vor, während und nach den Aktionen rund um den Wahlkampf 2009 mitverfolgbar und auch die Erwähnung der «Hungerlohnpartei» in den ARD-Tagesthemen ist festgehalten.
Videos von dieser ver.di-Aktion finden sich auf dem «Mindestlohn-Blog» sowie auf YouTube. Mit der Hungerlohn-Kampagne zugleich lief in 100 deutschen Kinos ein ver.di-Werbespot namens «Klar zur Wahl. Gegen Markt radikal.» Der Kommunikationsguerilla-Aktion der «Hungerlohnpartei» gingen zahlreiche andere, von ver.di wiederholt initiierte Aktionen und Kampagnen für den Mindestlohn voran. In den Tagen vor der Bundestagswahl 2009 finden Flashmobs dezentral in vielen Städten statt. 2007 etwa gibt es bereits eine Mindestlohn-Tour durch Deutschland. Seit 2006 wird mit einigem Aufwand das «Mindestlohnblog» betrieben, auf dem alle Aktionen und Kampagnen dokumentiert sind. Das Archiv des Blogs weist 2011 bereits über 1.500 Einträge auf.
Das Echo auf die Hungerlohnpartei
In den klassischen Massenmedien war von der «Hungerlohnpartei» wenig zu sehen oder zu hören. Zumindest die ARD hat die Kampagne zu einem ihrer Tagesthemen gemacht. Angesichts der fehlenden Berichterstattung bedauert Bernd Steinmann (ver.di): «Wir waren so kurz vor der Bundestagwahl dran, dass die Medien unsere Aktionen nicht mehr aufgenommen haben. Das war schade.» Eine Suche nach dem Begriff “Hungerlohnpartei” bei Facebook bringt überhaupt keinen Treffer, was vermuten lässt, dass die Kampagnenleitung den Medienkanal Facebook nicht genutzt hat. September 2009 mag vielleicht zu früh für eine Fruchtbarmachung von Facebook gewesen sein, heute aber sollte keine Gewerkschaft mehr an Facebook vorbeikommen – aus dem einfachen Grund, da die eigene Zielgruppe, Betriebsräte, Arbeitnehmer_innen und natürlich auch viele Funktionär_innen, “im” Facebook schon vertreten und teilweise auch aktiv sind. Jetzt, 2011, ist es für ver.di wie auch für andere Gewerkschaften selbstverständlich, Nachrichten und Informationen über diese Kanäle und Netzwerkstrukturen zu verbreiten. Dass eine kritische Haltung dem Unternehmen Facebook gegenüber und die Nutzung seiner Plattform keinen Widerspruch darstellen, zeigen die über Facebook vertriebenen Infovideos und praktischen Hilfestellungen für einen Facebook-kritischen Umgang mit der Infrastruktur. Aber auch in anderen Social Media fand die «Hungerlohnpartei» nur geringe Resonanz. Und das trotz der ersten viralen Meldungen über Twitter und des einhellig die Aktion bejubelnden positiven Echos. Es gibt sie, die Blogposts zur Aktion. Nach der ersten Welle berichteten aber enttäuschend wenige über die ver.di-Aktion via Blogs und Twitter. Die Blogsuchmaschine von Google weist 45 Treffer aus. Die Zahl der in Deutschland beheimateten Blogs soll vorsichtigen Schätzungen zufolge immerhin mehr als drei Millionen ausmachen. Auf Twitter fand das Wort «Hungerlohnpartei» laut Suchmaschinen 26 Mal Erwähnung. Auch wenn dieser Begriff nicht annähernd alle Tweets erfasst, zum Zeitpunkt der Bundestagswahlen machten rund 200.000 Deutsche aktiv beim Microblogging-Dienst Twitter mit. Das geringe Echo trotz der gelungenen Irritation, die das großformatige Plakat in Berlin verursacht hat, muss in dieser Relation gesehen werden.
Kommunikationsguerilla bringt den Kern der Wahrheit ans Licht
Merkel, Westerwelle und Guttenberg stehen 2009 vor wie auch nach der Bundestagswahl de facto für schrankenloses Lohndumping und Löhne, bei denen arbeitende Menschen hungern müssen. Das ist faktisch klar, aber niemals würde mensch so etwas «expressis verbis» sagen. Das tut mensch nicht, das raubt uns den Atem, lässt uns einander auf der Straße Blicke zuwerfen und nachschauen, wie die anderen darauf reagieren. Manchen bleibt die Luft weg. Der erste Eindruck, dass das übertrieben ist, macht dem längeren Grübeln und der Diskussion Platz. Die Diskussion führt zum Ergebnis, dass da etwas dran ist, nein, dass das eigentlich ja tatsächlich stimmt. Dieser Moment hat etwas Befreiendes: die Dinge beim Namen nennen. Wer das kann, dem, der oder denen zollen wir Anerkennung. Mit dem haushohen Plakat der «Hungerlohnpartei» hat ver.di das geschafft, hat die übliche Rhetorik durchbrochen und einen wahren Kern freigelegt. Viel offensichtlicher noch als im “Untertitel” des Plakats «Die große Mehrheit ist für die Einführung des gesetzlichen Mindestlohns. WIR NICHT!» stehen Merkel, Westerwelle und Guttenberg sichtbar für das ein, wofür sie wirklich einstehen.
Die Technik nennt sich «subversive Affirmation», das Plakat ist natürlich ein «Fake». Subversive Affirmation und Fake sind Techniken aus dem Werkzeugkasten der Kommunikationsguerilla. Anhand verschiedener Techniken der Kommunikationsguerilla werden bestehende Diskursordnungen in ihren ebenso selbstherrlichen wie selbstverständlichen Konstitutionen entlarvt und unterwandert; durch Verfremdung, Camouflage, Remixen etc. Die Selbstverständlichkeit diskursiver Prozesse wird aus den gutgeschmierten Angeln gehoben. Eingefleischte Sprachregelungen und Erwartungshaltungen werden unterlaufen, in ihrer vermeintlichen “Natürlichkeit” entstellt und als Folgen der Disziplinierung ausgewiesen. Die Pointe ist: nicht in der üblichen und erwarteten Art und Weise zu reagieren, also die Verhinderer eines gesetzlichen Mindestlohns nicht für ihre Blockadehaltung anzugreifen und den Mindestlohn zu fordern. Das führt in die immer gleiche Spirale der von PR-Agenturen gelenkten Kommunikation. Selbst der Vorwurf, dass jene, die aktiv gegen einen gesetzlichen Mindestlohn eintreten, sich damit bereit erklären, Löhne und Gehälter in Kauf zu nehmen, von denen die Arbeitnehmer_innen nicht leben können, die “Working Poor”-Klasse produzieren und die als “Hungerlöhne” zu bezeichnen sind, selbst dieser Vorwurf wird in der Kommunikation der Politarena zu einer gemeinen Unterstellung. Jene, die fordern und anderen etwas vorwerfen, erscheinen in der öffentlichen Wahrnehmung schnell als Störenfriede und Unzufriedene – schlimmstenfalls als machtlose Schreihälse. Die subversive Affirmation dreht den Spieß um. Wofür Merkel und Co. einstehen, wird nicht kritisiert, sondern im Gegenteil zustimmend unterstrichen. Im Wahl-Slogan der «Hungerlohnpartei» verdichtet sich diese Position, sie spitzt sich in einem Maße zu, in dem die sonst in CDU- und FDP-Universen so selbstverständlichen Aussagen zu gesetzlichen Mindestlöhnen plötzlich irritierend und verstörend wirken. Merkel und Co. werden demaskiert, wie es sonst nur brillante Satiriker_innen des politischen Kabaretts zu tun imstande sind. Darauf lässt sich gewerkschaftliche Kommunikation aufbauen, das ist das, was Kommunikationsguerilla-Aktionen leisten können.
Im Hinblick auf künftige Aktionen stellt sich also die Frage: Was macht eine Web-Kampagne erfolgreich? Um das beantworten zu können, sind zwei Dinge zunächst getrennt voneinander zu betrachten: zum einen die Art und Weise der zu erbringenden kommunikativen Leistungen; zum anderen die zu erfüllenden technischen Voraussetzungen. Es muss gelingen, die eigene Community zu aktivieren. Idealerweise sollte eine Kampagne auch über den engeren Kreis ohnehin Beteiligter und einschlägig Interessierter hinaus Echo finden. Um sich in diesem Sinne als Informationsdrehscheibe einen Namen zu machen, ist es von Bedeutung, bislang gut in und mit der Community gearbeitet sowie gute vertrauenswürdige Vernetzungsarbeit geleistet zu haben. Als die ersten Tweets mit Bildern des Großplakats die Runde machen, durchaus auch von bekannten Multiplikator_innen retweeted werden, dann die von der Netzcommunity gefundene Website der Hungerlohnpartei weitergeleitet wird und Blogs von der Aktion berichten, bekommt ver.di das nicht mit. Es gibt keinen Dialog mit denen, die die Aktion bejubeln. Auf dem Mindestlohn-Blog werden die Blogeinträge anderer nicht verlinkt, wahrscheinlich gibt es kein Monitoring und sie sind gar nicht wahrgenommen worden. Ob die im Netz so relevanten NachDenkSeiten die Aktion verlinkt und gutgeheißen hätten, vielleicht sogar etwas dazu geschrieben hätten, ist müßig zu überlegen, weil sie wohl nichts mitbekommen haben. Keiner kommuniziert mit den applaudierenden Menschen im Netz, niemand versorgt sie mit weiteren Infos und hält sie bei der Stange, geschweige denn arbeitet mit ihnen. Dabei hatte ver.di in dieser Hinsicht frühzeitig und durchaus vielversprechend begonnen.
Vom Schwarzbuch zum WatchBlog
Nachdem die Gewerkschaft ver.di im Dezember 2004 mit ihrem «Schwarzbuch Lidl» das öffentliche Interesse auf die damals noch weitgehend unbekannten beziehungsweise ignorierten, dabei äußerst fragwürdigen Arbeitsbedingungen bei dem Billig-Discounter LIDL lenkt, folgt im Jahr 2005 das dazugehörende «Schwarzbuch Weblog». Die Idee zu diesem Schritt hatte der Pressesprecher von ver.di. Das Ziel des Blogs besteht darin, das LIDL-Schwarzbuch online weiterzuschreiben. Lidl-Beschäftigte bekommen dadurch die Möglichkeit, in eigenen Kommentar-Beiträgen über ihre Arbeits- und Vergütungsbedingungen zu berichten. In die Diskussion auf dem Blog greift ver.di nur ein, wenn sich mögliche Nachteile für die Kommentator_innen abzeichnen oder es zu Beschimpfungen und Beleidigungen kommt. In dieser Hinsicht handelt es sich beim «Schwarzbuch Weblog» um ein WatchBlog, das den bei Lidl Beschäftigten einen geschützten Kommunikationsraum bietet. Sie können sich untereinander vernetzt mit der Fragwürdigkeit ihrer Arbeitsbedingungen auseinandersetzen, Erfahrungen austauschen und dokumentieren. Verschiedene Zeitungen und Zeitschriften wie der Spiegel werden auf das «Schwarzbuch Weblog» aufmerksam: sie knüpfen an die darin dokumentierten Erfahrungsberichte an und berichten alsbald über das auf Kosten der Arbeitnehmer_innen entwickelte Geschäftsprinzip von Lebensmitteldiscountern.
Etwas später setzt ver.di gemeinsam mit der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) das «Mindestlohn Weblog» auf, um die Forderung nach einem gesetzlichen Mindestlohn in eine an der Diskussion auch partizipierende Öffentlichkeit zu tragen. Hier geht es bereits weniger darum, dass Beschäftigte über ihre Erfahrungen berichten, als vielmehr darum, eine Diskussion zum Thema Mindestlohn anzustoßen. Eine sich aktiv an der Diskussion beteiligende Öffentlichkeit soll angesprochen und im Hinblick auf die Forderung eines gesetzlich verankerten Mindeslohnes versammelt und erweitert werden. Wie oben erwähnt, werden die Aktionen im ganzen Land dokumentiert, bei denen die Beteiligung in Summe vieler Menschen zu sehen ist. Aber diese Menschen können im Blog nicht kommentieren. Es gibt keine “Teilen”-Funktion, die mit einem Klick Beiträge auf Facebook oder über andere Kanäle weiterleitet. Es gibt keine Blogroll, keine Anbindung an eine potentiell interessierte Netzgemeinde. Das alles, wie gesagt, obwohl ver.di eigentlich sehr gute Erfahrungen mit der Beteiligung aus der “Cloud” hat.
Flashmob «lasst uns gezielt einkaufen gehen»
Bei einem Flashmob versammeln sich Aktivist_innen kurzfristig an einem Aktionsort, wo sie für kurze Zeit durch aufeinander abgestimmte, aus dem gewohnten Rahmen fallende Handlungen für Irritationen sorgen. Ver.di hatte im Rahmen eines Arbeitskampfes rund einstündige Aktionen organisiert. Dabei suchen 40 Personen gleichzeitig eine Einzelhandelsfiliale auf: shoppen gehen, dem Konsum frönen. Die Einkaufswagen werden vollgepackt und dann mitten in der Filiale stehen gelassen. Durch den massenhaften Kauf von einzelnen billigen Artikeln entstehen außerdem lange Schlangen an den Kassen. Trotzdem, die Kassierer_innen brauchen nicht hetzen, sie haben keine Eile. Diese seltsam koordiniert wirkenden Aktionen spielen sich hauptsächlich im Jahr 2007 ab und betreffen Lebensmittelhändler ebenso wie den Sporthandel. Das Ganze passiert also in einer Zeit, als Facebook, Twitter & Co. für die meisten ein Buch mit sieben Siegeln sind, insbesondere auch für die Gewerkschaften. Der ver.di-Landesbezirk Berlin-Brandenburg bereitet diese Flashmobs mittels Flugzettel und der eigens eingerichteten Website “dichtmachen.de” vor. Dort heißt es: «Hast Du Lust, Dich an Flashmob-Aktionen zu beteiligen? Gib uns Deine Handy-Nummer und dann lass uns zu dem per SMS gesendeten Zeitpunkt zusammen in einer bestreikten Filiale, in der Streikbrecher arbeiten, gezielt einkaufen gehen …». Zwei Jahre später, am 22. September 2009 ist die Empörung der Arbeitgeber_innen noch einmal groß. Der Anlass: Das Bundesarbeitsgericht hat entschieden, dass zu den gewerkschaftlichen Arbeitskampfaktivitäten auch das Mittel des «Flashmobs» gehört. Der Handelsverband Berlin-Brandenburg hat gegen die von ver.di unterstützten Einkaufsgewohnheiten geklagt und war ins Leere gelaufen. Auch wenn aus der ver.di-Bundeszentrale angesichts des Rechtsstreits nur vermeldet wird, Flashmobs seien, wenn überhaupt, “eine regionale Angelegenheit”, so stellen diese Erfolge im Tarifstreit ein weiteres und nicht wenig eindrucksvolles Beispiel dar für die Effizienz moderner Kommunikationsmittel bei betriebs- und tarifpolitischen Auseinandersetzungen, organisiert von ver.di Berlin-Brandenburg mittels einer Website und telefonisch vereinbarter Flashmobs.
Stillstand oder gar Rückschritt: Was ist passiert?
Die deutschen Gewerkschaften – und ganz besonders ver.di – stehen den Soziale Netzwerke-Plattformen und ganz besonders Facebook eher skeptisch gegenüber. Ein Indiz hierfür ist es, dass ver.di gerade damit beschäftigt ist, selbst ein Soziales «Mitgliedernetz» exklusiv für die eigenen Mitglieder anzubieten und auf dessen Wachstum hinzuwirken. Wer sich jedoch in die eigenen vier Wände – selbst wenn es nur virtuelle sind – zurückzieht und versucht, sein eigenes Süppchen zu kochen, koppelt sich ab vom grundsätzlich offen organisierten Web 2.0. Es ist illusorisch anzunehmen, dass ein YouTube-Video in einem exklusiv zu einer Gewerkschaft gehörenden “Sozialen Mitgliedernetzwerk” einfach eingebunden, “embedded” wird. Bei der deutschen IG Metall (IGM) etwa ist es schon technisch unmöglich, dass deren Mitarbeiter_innen ein YouTube-Video auch nur ansehen können. Die System-Administrator_innen der IGM befürchten, über diesen Weg schädliche Software ins Haus zu holen. Deshalb wurde die Möglichkeit, YouTube-Videos anzusehen, gleich ganz unterbunden. Das führt dazu, dass etwa ein politischer Sekretär in der örtlichen Verwaltungsstelle oder eine Referatsleiterin der Grundsatzabteilung der IGM-Zentrale ein auf YouTube hochgeladenes Video vom Auftritt des eigenen IGM-Vorsitzenden überhaupt nicht ansehen kann. Die gleichen Erfahrungen machen Funktionär_innen und Angestellte in den meisten Gewerkschaften immer noch, sei es in Deutschland oder Österreich. Da erklären Abteilungsleiter der IT den Vorsitzenden, dass Wlan im Haus unmöglich zugelassen werden könne und verweigern der internationalen Abteilung Skype für die Vereinfachung der Kommunikation in transnationalen Dachverbänden. Derartige kommunikationstechnische Extratouren führen zwangsläufig ins kommunikationspolitische Abseits. Denn neben dem Umstand, dass alles mit allem irgendwie zusammenhängt, ist außerdem zu beachten, dass Bündnispartner_innen für die eigene politische Position nur durch eine transparente und glaubwürdige Kommunikation zu gewinnen sind. Ad-hoc-Aktionen und einzelne Kampagnen – seien sie noch so gut nachvollziehbar und aufregend konzipiert – finden so lange keinen Resonanzboden, solange ver.di, IGM oder eine andere Gewerkschaft nicht als Akteure wahrgenommen werden, die zum Dialog mit der Web-Öffentlichkeit bereit ist.


MIT PARTIZIPATIVEN KAMPAGNEN UND AKTIONEN ERFOLGREICH
➊ Das 2004 von ver.di herausgegebenen «Schwarzbuch Lidl», wichtiger Baustein der vielseitigen Lidl-Kampagne, ist schnell vergriffen. Die Autor_innen Andreas Hamann und Gudrun Giese werden mit dem Preis für kritischen Journalismus in der Kategorie Neue Medien-Projekte ausgezeichnet. Es folgt das «Schwarzbuch Lidl Europa», es gibt Übersetzungen in Englisch und Kroatisch.
➋ Der Handelsverband Deutschland (HDE) klagt gegen die Flashmobs von Arbeitnehmer_innen und Gewerkschaften, kommt mit diesen Klagen letztlich aber nicht durch.
➌ Seit einigen Jahren kann «STREIK.TV» immer wieder von erfolgreichen Aktionen in Tarifauseinandersetzungen berichten. Bei einem Flashmob in München gegen die tariflose Situation in der Versicherungswirtschaft rufen viele Kolleg_innen Call-Center an und belegen die Leitungen.
Auseinandersetzungen mit einer aktiven, an den Diskussionen und Forderungen partizipierenden Öffentlichkeit können nicht auf einzelne Kampagnen und Aktionen beschränkt bleiben: es bedarf eines kontinuierlichen Austausches, eines auch über längere Zeiträume tragfähigen Kommunikationsnetzwerkes. Und Vernetzen, also ein tragfähiges Kommunikationsnetzwerk aufzubauen, heißt, damit aufzuhören, sein eigenes Süppchen zu kochen, und stattdessen über den Tellerrand hinaus zu blicken, zu sprechen und zu agieren. Angesichts all der Aktionen und Diskussionen, die im Web rund um die thematischen Felder gewerkschaftlicher Arbeit und Kritik (wie etwa gegen die Hartz IV-Auswüchse) stattfinden, also dokumentiert, konzipiert und ausgetragen werden, erscheinen die Vernetzungs- und Anbindungskapazitäten der Gewerkschaften äußerst gering. Erstaunlich ist die Vernachlässigung kommunikationspolitischer Aspekte auch in Anbetracht der durchaus erfolgreichen, mutigen und engagierten Einzelkampagnen und Aktionen wie etwa jene von ver.di, die, bei entsprechender Vernetzung und Anbindung, viel mehr – quantitativ und qualitativ – erreichen könnten. In einer Öffentlichkeit, die sich gegen bestehende Arbeits- und Lohnverhältnisse wendet, der daran gelegen ist, herrschende Diskursordnungen zu unterwandern, kann nicht jede_r in eigenbrötlerischer Tüftelei das Rad, das die Welt in Bewegung versetzen soll, jeweils und “nur für sich” neu erfinden: in einer Gegenöffentlichkeit zu agieren heißt inter-agieren – aber nicht nicht um jeden Preis. Gemeinsame thematische Felder und Herangehensweisen sind Verhandlungssache, sie werden austariert, partizipativ im Dialog abgesteckt: sie sind nicht von Lobbyist_innen vorgegebenes Territorium, auf dem man durch gewisse Zugeständnisse einen Platz erwerben kann. Die Positionierung von ver.di hinsichtlich der “Stoppschilder” gegen – vor allem von Lobbyorganisationen so genannte – Urheberrechtsverletzungen im Internet stellt ein derartiges Zugeständnis dar: entgegen der Interessen der im Netz aktiven Mitglieder und im Grunde der eigenen Vernetzungsarbeit zuwiderlaufend, werden von ver.di technische Instrumente eher im Sinne der um ihre Absätze besorgten Musik- und Filmindustrie befürwortet, die User_innen auf die Illegalität einer Download-Plattform aufmerksam machen sollen (“Stoppschilder”) und die durchaus auch geeignet sind, die Überwachung im Netz auszudehnen. Ein blinder Fleck, der bei einem höheren Vernetzungsgrad und bei größerer Anbindung an im Web kursierenden Diskussionen zu Urheberrechtsfragen (etwa die von Wikileaks veröffentlichten Dokumente, die zeigen, dass ein rigoroses Urheberschutzgesetz unter dem gezielten Einfluss der USA in Spanien implementiert werden sollte) nicht hätte auftreten müssen.
Zusammenfassung
So erfolgversprechend einzelne Aktionen und Kampagnen prinzipiell auch angelegt sein mögen: zu einer gelungenen Ausführung gehört eine konsequente Vernetzungsarbeit und offene Kommunikationsplattformen. Eine Online-Kampagne steht und fällt mit einer möglichst breiten Verankerung bei den Akteur_innen der virtuellen Welt. Aufeinanderzugehen, Dialogbereitschaft und das Anliegen, anderen Informationen zukommen zu lassen, die über den Informationsgehalt der jeweils betroffenen Kampagne hinausreichen, dürfte Gewerkschafter_innen unter dem Etikett “Basisarbeit” vertraut sein. Das Web 2.0 unterstützt diese Arbeit in zweierlei Hinsicht: Erstens macht es das Verbreiten von Informationen außerordentlich einfach, und zweitens kann es dazu führen, dass die Akzeptanz für gewerkschaftliche Positionen wächst. Letzteres aber nur, wenn das Web 2.0 nicht als Verlautbarungs-Kanal, sondern als das genutzt wird, was es längst schon ist: als Mitmach-Web.
- Organisatorisch muss festgelegt sein, welche Mitarbeiter_innen mit welcher Funktion aus welchen Abteilungen kommunizieren. Hierbei sind der zeitliche Umfang, die inhaltlichen und formalen sowie sprachlichen Aspekte der zu leistenden Kommunikation zu bestimmen.
- Moderne crossmediale Kommunikation bedeutet, neben den konventionellen Medien-Kanälen Print, Radio, TV und Events auch die Web 2.0-Kanäle zu berücksichtigen. Neben Blogs und Microblogs sind zudem die Möglichkeiten eines Podcast- und Web-Video-Einsatzes zu berücksichtigen, die schließlich in die Netzwerk-Strukturen des Web 2.0 überzuleiten sind.
- Identifizierung von Stakeholdern und Bündnispartnern, die sich unter den Freunden, Fans (Facebook), Followern (Twitter) und Abonnenten (Blogs & Feeds) befinden. Anschließend erfolgt die Vernetzung dieser Personengruppen über Hyperlinks, Kommentare, Blogroll oder ein schlichtes «Gefällt mir».
- Denken, planen und handeln in allen drei Dimensionen!
- Ob eine beauftragte Agentur den Erwartungen an Web 2.0-Kommunikation entsprechen kann, ist regelmäßig zu hinterfragen. Diese muss unmittelbar sein und verlangt ein hohes Maß an Kompetenz, um den anderen Netz-Akteuren gegenüber glaubwürdig zu erscheinen.
- Antworten im Netz nicht erst durch Gremien absegnen. Der über die digitalen Kanäle geführte Dialog ist mitunter so schnell, dass lange Antwortzeiten auf Grund von innerhalb der Organisation vorzunehmender Abstimmungsverfahren einen erheblichen Nachteil darstellen.
- Wer es versäumt zu beobachten, wer im Netz was über einen selbst sagt, darf sich nicht wundern, wenn Diskussionen in die falsche Richtung laufen. Ein unterlassenes Monitoring der im Web 2.0 diskutierten Inhalte ist grundsätzlich zu vermeiden.
- Wer Diskussionen im Netz anstößt, um sie dann hinter verschlossenen Türen (Mitgliedernetzwerk und dergleichen) fortzuführen, setzt sich schnell dem Vorwurf aus, intransparent zu agieren und an einer offenen Diskussion mit möglichst vielen Akteur_innen nicht interessiert zu sein.
- Ein uni-direktionale Kommunikationsstrategie ist tunlichst zu unterlassen. Nur wer andere ernstnimmt, wird selber auch ernstgenommen. Netzwerken im Web 2.0 lebt ebenso wie herkömmliches Netzwerken von der Pflege von Kontakten.
- Dass Mitarbeiter_innen der Organisation wegen Bedenken der IT-Abteilungen nicht einschränkungslos im Web 2.0 kommunizieren können, vereitelt eine erfolgreiche Web 2.0-Kampagne, noch bevor sie überhaupt gestartet worden ist.
August 21 2011
dlf.m3u
Oskar Negt über Hintergründe und Motivation jugendlicher Demonstranten und Randalierer
Oskar Negt im Gespräch mit Michael Köhler
Nicht
nur die eigene Perspektivlosigkeit treibe viele Jugendliche auf die
Straßen, sagt der Soziologe und Sozialphilosophen Oskar Negt. Auch,
dass in Finanz- und Wirtschaftskrise mit Geld umgegangen werden, als ob
Milliarden keine Rolle spielten, bereite den Boden für Proteste.
Michael Köhler:
Wir kommen zum Aufstand der Abgehängten oder Krawall ohne Programm.
Aufstand der Empörten. So nannten das Tageszeitungen, was in London, in
Birmingham, in Madrid oder an anderen Orten passiert. Wie auf
englischen Einkaufsstraßen werden Supermärkte und Läden in Brand
gesteckt, Unterhaltungselektronikläden geplündert, in Madrid wird
protestiert, in Israel zelten junge Menschen gegen Immobilien- und
Lebenserhaltungspreise, in Berlin werden seit einer Woche Autos in
Brand gesteckt, Hamburg kommt inzwischen dazu. Die Frage ging deshalb
an den Soziologen und Sozialphilosophen Oskar Negt: Haben diese
Proteste eigentlich irgendwelche Gemeinsamkeiten oder sind sie eine Art
Flash-Mob, eine Aktionsform unter anderem, nur teils eben gewaltsam?
Oskar Negt:
Ja sehen Sie, ich meine gemessen an der Verrücktheit, die sich auf den
Finanz- und Devisenmärkten abspielt, ist das doch eine natürliche
Reaktion. Ich glaube nicht, dass das im Einzelnen ursächlich so
zurückzuführen ist, auf die völlige Orientierungslosigkeit unserer
Gesellschaften, unserer entwickelten Gesellschaften, vielleicht ist das
etwas schwierig. Aber das Klima, in dem hier mit Milliarden und
Billionen umgegangen wird, so als ob Geld keine Rolle mehr spielte, ist
ja ein Boden, auf dem diese, gerade in den entwickelten Ländern auch,
diese Proteste wachsen. Ich glaube, das ist nicht voneinander zu
trennen.
Köhler: Aber muss man
nicht doch, Oskar Negt, unterscheiden zwischen marodierenden Banden,
die wahllos in Berlin irgendwelche Autos in Brand stecken und, sagen
wir einmal, kulturkritischen Zeltlageraktivisten in Tel Aviv?
Negt:
Natürlich! Aber die gibt es doch überall. Ich meine, dass es so
Trittbrettfahrer in solchen Gewaltaktionen gibt, die die Gunst der
Stunde nutzen, das bestimmt. Ich will nur nicht den Fehler begehen,
hier die Jugendlichen aus dem gesellschaftlichen Zusammenhang, in dem
es Absurditäten gibt. Zum Beispiel in England die Kürzungen, also von
Zuwendungen, die Erhöhung des Schulgeldes um das doppelte oder
dreifache. Verstehen Sie, das sind ja gesellschaftliche
Klimaveränderungen, gerade der entwickelten Ländern, die so gravierend
sind, dass man sagen kann: Wer gehört hier zu denjenigen, die verrückt
sind? Ist es die normale Gesellschaft oder sind es die Jugendlichen,
die da randalieren?
July 23 2011
July 14 2011
May 29 2011
The Precariat – The new dangerous class
For the first time in history, the mainstream left has no progressive agenda. It has forgotten a basic principle. Every progressive political movement has been built on the anger, needs and aspirations of the emerging major class. Today that class is the precariat.May 09 2011
Buchempfehlung: Schöne neue Arbeitswelt?
20 Menschen, die um wenig Geld, zeitlich befristet oder (schein)selbständig arbeiten müssen, erzählen in längeren biografischen Interviews vom Leben am Rand der Armut – denn das haben sie alle gemeinsam – und von ihren Hoffnungen und ihrer Realität, von ihren Kämpfen, Ängsten und Enttäuschungen.
Die Journalistin Gabi Stockmann hat die Interviews geführt und die Geschichten und Interviews in ein Buch zusammengefasst:
Schöne neue Arbeitswelt?
20 Interviews aus dem Prekariat
Zur Buchpräsentation lud die Arbeiterkammer Niederösterreich am 3. Mai in die Vöslauer Startbahn südlich von Wien. Publikum kam in Scharen, das Thema brennt immer mehr Menschen unter den Nägeln. Gabi Stockmann erszählte im Interview mit ihrem Verleger Hans Michael Salvesberger vom Werdegang des Buches. Als Journalistin hat sie der Blick hinter die Fassaden und auf die tatsächlichen Biografien, Leben und Interpretationen der in prekären Verhältnissen arbeitenden Betroffenen interessiert.
So entstanden 20 sehr persönliche Interviews, denn „Fragen der Arbeitswelt haben mich immer schon interessiert, vor allem auch die psychologischen Aspekte“, erklärt die Autorin ihre Herangehensweise an das Phänomen „Prekarität„. Ausführlich zu Wort kommen in dem Buch etwa die neuen BildungsarbeiterInnen – top ausgebildete Menschen, die in Erwachsenenbildung oder Sozialarbeit zu Niedriglöhnen arbeiten. Ergänzt hat Gabi Stockmann die aus Interviews gewonnenen persönlichen Fallbeispiele durch Zahlenmaterial aus der Arbeitswelt der letzten Jahrzehnte.
Das Buch ist in der Edition Neue Wege erschienen, umfasst 201 Seiten und kostet 12 Euro. Erhältlich in allen Buchhandlungen, auf Amazon und direkt beim Verlag Edition Weinviertel.
Zum Abschluss der Buch-Präsentation wurde eines der 20 Interviews „live aufgeführt“:
Die Autorin und Journalistin las gemeinsam mit dem Badener Schauspieler und Multi-Talent Karl Maria Kinsky einen Teil aus jenem Interview, das sie mit ihm vor etwa einem Jahr führte und in dem der Schauspieler auf die prekäre Lage des Künstler-Daseins hinweist.
Filed under: Dokumentation, Flexibilität, Prekarisierung, Schutzbefohlene, Studie, Texte, working poor Tagged: 20 Interviews aus dem Prekariat, Arbeiterkammer, Bildungsarbeit, Bildungsarbeiterinnen, Buchpräsentation, Edition Weinviertel, Fallbeispiele, Gabi Stockmann, Interviews, Karl Maria Kinsky, Prekariat, prekär, Schöne neue Arbeitswelt?
April 29 2011
30. April, Tag der Arbeitslosen
Erwerbsarbeitslos sein ist ganz schön prekär … – das weiss doch jedes Kind!
Wortreicher analysiert Veronika Litschel in ihrem Beitrag Steigende Arbeitslosigkeit, Politikversagen und die real existierende Arbeitsmarktpolitik die Situation für die Erwerbsarbeitslosen in Österreich. Zum Vorgeschmack ein kurzes Zitat daraus:
Die Situation von Arbeitslosen ist geprägt von Arbeitslosengeld und Notstandshilfe, die nicht vor dem Fall in Armut schützen, von Zwang und Kontrolle, gesetzlich vorgegeben.
Filed under: Aktionstag, Arbeitslosigkeit, fair statt prekär, Schutzbefohlene, video Tagged: AMS, Arbeitslosigkeit, AUGE, Tag der Arbeitslosen
April 14 2011
feines Mobilisierungsplakat für den MAYDAY
In paar Wochen ist es wieder so weit: Mit der fünften MayDay-Parade in Wien sagen wir dem Prozess der Prekarisierung spielerisch den Kampf an!
Matt setzen lässt sich die Prekarität allerdings schon jetzt mit dem soeben erschienen Mobilisierungsplakat zur Parade: Über 40 Felder hinweg können berühmt-berüchtigte Magistratsabteilungen aus-, das AMS an die Wand und auch sonst so manch riskante Situation durchgespielt werden.
Deshalb: Go for it! Noch zu warten ist Wahnsinn!
Filed under: Aktionstag, fair statt prekär, Prekarisierung, Texte, Veranstaltung, Wien, working poor Tagged: Ausschluss Basta, Bettellobby, KiGa-Aufstand, KostNix Läden, mayday, No Borders, PrekärCafe, Wagenplatz
April 07 2011
noch zu warten ist wahnsinn (~MAYDAY WIEN 011)
auch der Papst unterstützt diesen Aufruf:
Aufruf zur MayDay «Atomisierung WegBassen» Parade in Wien …
Filed under: Aktionstag, fair statt prekär, mayday, Prekarisierung, VeranstaltungsHinweis, Wien Tagged: EuroMayDay, mayday, Wien
March 31 2011
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